Mittwoch, 12. Dezember 2007
Wir können Sie so oft wir wollen hierher einladen ...
Erwerbslosigkeit, wohl gemerkt nicht Arbeitslosigkeit, denn die Verwaltung der eigenen Erwerbslosigkeit ist schon eine recht anstrengende Tätigkeit, wenn man dabei auch mit der Agentur für Arbeit zu tun bekommt, ist für mich völlig neu. Mein Leben lang hatte ich immer Arbeit, eigentlich immer auch problemlos.
In diesem Jahr nun sollte sich das ändern, und so wurde ich auch "Kunde" bei der Agentur für Arbeit. Nicht, dass die Mitarbeiter dort nich höflich und freundlich wären, allein man hat den Eindruck dass alles wie Kraut und Rüben durcheinander geht, der Eine nicht weiß, was die Andere tut und mit irrsinnig viel Aufwand unglaublich wenig bewirkt wird. Dabei rede ich garnicht in erster Linie von der Vermittlung einer Tätigkeit, sondern von der (Selbst-)Verwaltung der Erwerbslosigkeit.
Geblieben ist mir eine kleine Nebentätigkeit, und die führte zu einer fast unglaublichen Geschichte ...
Um meinen ALG I Anspruch monatlich zu überprüfen (hier die 165-€-Grenze für den Nebenjob) muss ich eine Bescheinigung über mein variables Nebeneinkommen einreichen. Dafür schicjkt mir ein Mitarbeiter der Agentur für Arbeit monatlich ein Formblatt zu. Mehrfach habe ich darauf hingewiesen, dass ich den Vordruck nicht benötige, da mein Arbeitgeber mir meine Bescheinigung automatisch mit der Gehaltsabrechnung mitschickt. Diese Bescheinigung scanne ich dann und leite sie der Agentur per Mail zu. Leider war meine Anregung nicht von Erfolg gekrönt, und ich erhielt den Vordruck der Agentur wieder und wieder.
Nachdem mein letzter "Vermittlungstermin" in der Agentur gerade einmal etwa zwei Wochen zurück lag erhielt ich zu meiner Verwunderung erneut eine Einladung zu einem "Vermittlungsgespräch". Auch war nicht meine Vermittlerin als Gesprächspartnerin benannt, sondern jemand mir bis dahin völlig unbekanntes. ich lieh mir also ein Auto und erschien pünktlich in der Agentur. Ich meldete mich an, wartete etwa dreißig Minuten und wurde dann gefragt, wo ich denn wohnen würde. Mir müssen wohl alle Gesichtszüge entglitten sein, denn direkt nach der mich so irritierenden Frage folge die Erklärung, man habe zu meiner Anschrift einen Postrückläufer gehabt. Nun solle geprüft werden, ob ich an meiner Anschrift noch erreichbar sei. Der Postrückläufer war zu allem Überfluss die überflüssige Bescheinigung.
Ich hab erst einmal tief durchgeatmet, und dann die Sachlage mal zusammengefaßt:
Weil ein Mitarbeiter der Arbeitsagentur mir ein nicht benötigtes Formblatt mit einem dieser unzuverlässigen und oft Lohndumping betreibenden Billiganbieter nicht in der Lage ist zuzustellen, erhalte ich an eben die gleiche Anschrift eine Einladung in die Agentur, damit dort meine Anschrift überprüft wird - soviel Sinnlosigkeit empfinde ich als beängstigend und empörend, sind es schließlich doch die Beitragsmittel der Versicherten, die mit diesen Kopflosigkeiten verpulvert werden.
Die Sinnlosigkeit so recht erfassend habe ich mich dann entschlossen, erstmals Fahrtkosten zu beantragen, schließlich besteht ja immer die Hoffnung, dass bei Geld, dass an den Versicherten auszuzahlen ist dann doch mal jemand genau nachschaut. Um meinem Ärger entsprechenden Ausdruck zu verleihen bin ich mit der Bearbeiterin zum Bereichsleiter gegangen. Der war höflich, aber zähflüssig und insgesamt widerwillig (was natürlich meine ganz subjektive Empfindung ist) und erkärte mir au fmeine Vorhaltungen hin, man könne mich schließlich so oft man wolle einladen. Platzen hätte ich können, insbesondere vor dem Hintergrund, dass mein Fahrtkostenantrag später abgelehnt wurde. Bei einer Entfernung von 9 Km (einfache Strecke) und einem Erstattungssatz von 20 Cent liegt mein theoretischer Anspruch von € 3,20 unter dem Auszahlungslimit von € 6,--, das es mindestens zu erreichen gilt. Was für ein schönes System, dass so viele so sinnfrei besschäftigt, so teuer ist und am Ende neben endloser Verwalterei nur theoretische Ansprüche schafft, von denen keiner etwas hat.

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... eine neue Sau durchs Dorf ...
Erinnern wir uns doch nochmal gemeinsam ...
Mitte 2006, eingefrorene Kinder, vernachlässigte Kinder, immer wieder Kinder, die inmitten eines der reichsten Länder der Erde Unglaubliches erdulden müssen, und immer häufiger mit ihrem Leben dafür zahlen. Zahllose Politiker aller Parteien meldeten sich zu Wort, Ideen allerorten, Ankündigungen ...
Dann kommt Herr Müntefering und erklärt ganz allgemein: "Wir werden als Koalition an dem gemessen, was in Wahlkämpfen gesagt worden ist. Das ist unfair!“ - und erklärt damit einfach und anschaulich, wieso immer mehr Bürger den Eindruck gewinnen, es gäbe eine immer erheblichere Differenz zwischen dem, was Land auf Land ab so verbreitet wird, und der Realität.
Nun gibt es eine gute Tradition, wirkungsvoll und hilfreich, eingesetzt von Politikern und Wirtschaftsführern, gerne auch von Amtsinhabern und Verwaltungsleitern - zu bezeichnen mit dem Begriff "eine neue Sau durchs Dorf treiben".
Nach den endlosen Stellungnahmen und Anregungen, wie man Kinderschicksale in Deutschland positiver entwickeln könne folgten nicht weniger wirkungsvolle Appelle, der Aufschwung komme nun endlich auch beim Bürger an, um dann recht zügig schnell noch den Energieriesen wegen unglaublicher Energiepreissteigerungen unter Ausnutzung fadenscheinigster Argumente mit allerlei Drohereien echte Schrecken einzujagen. Hilfreich dabei war immer auch die drohende Klimakatastrophe, die nächste "Sau" die bemüht wurde. Dieser folgten der Mindestlohn, der Rücktritt Münteferings, wieder tote Kinder, die Diätenerhöhung und nun die Debatte um eine Begrenzung der "Manager-Gehälter".

Ich möchte in diesem Blog Stellung beziehen, unkonventionelle Betrachtungen veröffentlichen und gerne mit anderen darüber diskutieren, wie wir als "Wahlvolk" unsere Demokratie vor dem von mir befürcheteten Verfall bewahren können. Dabei sollte alles gesagt werden dürfen, mit Ausnahme von nachweislich falscher Propaganda oder plumper Beleidigung. Ich verachte jede Form der Zensur, ebenso aber auch Unhöflichkeit.
In diesem Sinne wünsche ich allen Interessierten hier und anderswo gute Unterhaltung und gute Gedanken ...

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